Die Zweitstimme entscheidet über die Mehrheitsverhältnisse im Bundestag – also darüber, wie viele der insgesamt mindestens 598 Sitze im Bundestag jeweils einer Partei zustehen (siehe Warum habe ich bei der Bundestagswahl zwei Stimmen?). Vereinfacht gesagt: Hat eine Partei 40 Prozent der Zweitstimmen gewonnen, erhält sie mindestens 40 Prozent der Sitze im Bundestag.

Die Fünf-Prozent-Hürde

Die Zweitstimmen zählen jedoch nur, wenn die Partei mindestens fünf Prozent aller Zweitstimmen oder drei Wahlkreise (über die Erststimme) gewonnen hat. Wenn nicht, verfallen die Zweitstimmen. Diese Regel nennt man auch „Fünf-Prozent-Hürde“.

Die Fünf-Prozent-Hürde wird in diesem Video erklärt:

Wenn eine Partei also z. B. 4 % der Zweitstimmen und drei Wahlkreise gewonnen hat, bekommt sie 4 % der Sitze im Bundestag. Wenn sie aber z. B. 4,5 % der Zweitstimmen und nur zwei Direktmandate (durch gewonnene Wahlkreise) erhält, bekommen nur die beiden Kandidatinnen bzw. Kandidaten, die die Direktmandate gewonnen haben, je einen Sitz im Bundestag.

Bei der Sitzverteilung im Bundestag gilt dann Folgendes:

  1. Zuerst werden die Plätze an die Direktkandidatinnen bzw. Direktkandidaten jeder Partei – oder auch unabhängige Kandidatinnen oder Kandidaten, die einen Wahlkreis über die Erststimme gewonnen haben – vergeben.
  2. Dann folgen die Kandidatinnen und Kandidaten von den Landeslisten der Parteien. Damit kommt die eine Hälfte der Abgeordneten also über die Erststimme in den Bundestag. Die Gesamtzahl der Sitze, die eine Partei im Bundestag erhält, wird dagegen durch die gewonnenen Zweitstimmen bestimmt.
Überhang- und Ausgleichsmandate
Durch Überhangmandate kommen mehr Abgeordnete in den Bundestag als die eigentlich vorgesehenen 598. Sie entstehen, wenn viele Wählerinnen und Wähler mit ihrer Erststimme Wahlkreiskandidatinnen und Wahlkreiskandidaten einer Partei wählen, ihre Zweitstimme aber einer anderen Partei geben. Dadurch können die Parteien mehr Direktmandate erhalten, als ihnen Sitze nach der Auszählung der Zweitstimmen zustehen. Wenn also z. B. die Partei X in Hessen durch die Zweitstimmen 7 Sitze im Bundestag erhalten sollte, aber acht Kandidatinnen und Kandidaten der Partei X in Hessen ein Direktmandat erhalten haben, dann bekommen trotzdem alle acht Kandidatinnen und Kandidaten einen Sitz im Bundestag. Die Partei X hätte dann ein Überhangmandat.

Durch Überhangmandate wird allerdings der Prozentsatz der Sitze der Parteien im Bundestag verändert. Entscheidend für diesen Prozentsatz soll aber die Zweitstimme, also die insgesamt abgegebenen Stimmen für jede Partei, sein. Deshalb wird die Sitzzahl im Bundestag so weit angehoben, bis alle Parteien insgesamt über so viele Sitze verfügen, wie ihnen proportional nach ihrem Zweitstimmenanteil in ganz Deutschland zustehen. Das nennt man auch Ausgleichsmandate. So können im Bundestag insgesamt bis zu 800 Abgeordnete sitzen. Aktuell gehören dem Bundestag 630 Abgeordnete an, davon sind 32 Überhang- und Ausgleichsmandate.

Überhang- und Ausgleichsmandate werden auch in diesem Video erklärt: